Auf das ganz und gar nicht dürre Schöberl: Rottenmann – Dürrenschöberl – Selzthal.
Das Dürrenschöberl ist wohl ein klassischer Öffi-Berg: Ausgangs- und Endpunkte, Rottenmann sowie Selzthal, sind Fernverkehrsbahnhöfe; und auch durch Nutzung eines Automobils kann die Wanderung nicht abgekürzt werden. Der großteils bewaldete Bergstock liegt rund 1.100 Meter über dem Enns- und Paltental. Aufgrund seiner besonderen topographischen Lage zählt er zu den besten Aussichtsbergen der Steiermark, wie es Lieselotte Buchenauer schon im Kapitel "Ein saftiges Schöberl" im Buch "Bergwandern in der Steiermark" (längst vergriffen) beschreibt: "Selten sind es die hohen Gipfel, die uns beglückende Umsicht schenken. Meist sind es niedrigere Berge in guter Mittellage, wie eben das Dürrenschöberl: Selbst kein Zweitausender, liegt es inmitten wilder und wesentlich höherer Felsgipfel der Ennstaler Alpen, des Toten Gebirges und der Niederen Tauern. Auch Grimming und Dachstein sind nicht allzuweit entfernt." Ergänzend ist zu erwähnen, dass an klaren Tagen die Fernsicht im Westen zum Glockner und Wiesenbachhorn in den Hohen Tauern (die nördliche Längstalfurche der Ostalpen, in die das Dürrenschöberl gleichsam hineinragt, macht´s möglich) und im Nordosten bis zum Ötscher in Niederösterreich reicht.
Wir erwandern uns den Panoramagenuss am besten von Rottenmann aus (R9, Interregio-Halt der Strecke Graz – Innsbruck) und steigen dann hinab zum großen Eisenbahnknoten Selzthal (R4, R9, R58; Interregio-Halt der Strecken Graz – Linz und Graz – Innsbruck).
Tourbeschreibung
Am Bahnsteig der Bahnstation Stadt Rottenmann streben wir vorerst in Richtung Stadtmitte, in der Unterführung wenden wir uns gleich nach rechts, der stadtabgewandten Seite zu, und steigen hinauf zum Grünbühelweg. Linkerhand geht es entlang der Straße, bis uns der Wegweiser "Dürrenschöberl 3h" den Weiterweg anzeigt. Großteils entlang des Wiesenrands steigen wir zum Zandlweg, dem wir hinauf bis zur Kehre folgen. Dort (Wegweiser) beginnt der Wanderweg Nr. 652, über den wir zügig bergan, größtenteils durch Nadelwälder, und immer wieder Forststraßen querend, in gut zwei Stunden zur Mesneralm schreiten. Sitzbänke und ein Tisch bieten sich dort vor der Jagdhütte als Rastplatz an. Weiterhin entlang des Wanderweges Nr. 652 wandern wir zu Wegkreuzung mit dem Wanderweg Nr. 651, der von Selzthal hinaufführt. Durch schönen Bergwald erreichen wir bald das Gipfelareal des Dürrenschöberls, bereits über der Waldgrenze gelegen und mit Kreuz, Gipfelzeichen auf dem höchsten Punkt sowie Bänken inszeniert.
Nach Gipfelrast und Rundschau nutzen wir für den Abstieg den Steig Nr. 651a "Bergmesssteig", der ein Stück oberhalb des Kars "Die Hölle" entlangführt (von dort vermittelt das Dürrenschöberl auch seinen alpinen Charakter). Bei der Wegkreuzung nächst der Schwarzlacke halten wir uns links und steigen durch lichten Bergwald hinab zur Forststraße: Entlang dieser marschieren wir sanft bergab unterm Dürrenschöberl vorbei, wobei sich ob der Kahlschläge großartige Ausblicke ins Obere Ennstal sowie zu den umrahmenden Bergen ergeben.
Etwas später mündet der direkte Wanderweg vom Dürrenschöberl kommend in unsere Forststraße ein, kurz darauf folgt die nächste Wegkreuzung: Wir können wählen, ob wir weiterhin auf der Forststraße in Richtung Selzthal trotten, oder ob wir entlang des alten Wanderweges talwärts marschieren. Diese Wahlmöglichkeit bietet sich bei unserem Abstieg noch weitere drei Mal an. Schließlich erreichen wir Selzthal entweder direkt beim Gemeindeamt, oder ein Stück weiter östlich außerhalb des Ortszentrums. Der Zugang zum Bahnhof ist hinter der Kirche zu finden.
Informationen
Gehzeiten, Weglänge, Höhenmeter
Gesamtgehzeit ca. 5,5 bis 6 Stunden; ca. 12,5 bis 16,5 km; An- und Abstieg ca. 1100 hm
Orientierung
Freytag&Berndt Wanderkarte 1:50.000 WK 062, Gesäuse – Ennstaler Alpen – Schoberpass
Kompass Karte 69 Gesäuse, Ennstaler Alpen 1:35.000
Karten-Apps: mapy.com (gratis), Austrian Map (gratis), bergfex Touren (tw. kostenpflichtig)
Wegverlauf (© Dieter Fleck) | PDF
Beste Jahreszeit
Mai bis November
Einkehrmöglichkeit
Filipio Pizzeria, Selzthal
Tipps & Hinweise
"Selzthal aber ist kein Bahnhof wie andere, Selzthal ist ein Ereignis, Selzthal erklärt vieles, was an Österreich eigenartig anmutet.
Selzthal gleicht äußerlich und auf den ersten Blick einem Bahnhof, doch der Anschein trügt. Selzthal erklärt wieder einmal, warum Kafka ein Österreicher war und warum die Österreicher ihn nicht als sensationell empfinden.
Dies ist ein Bahnhof an sich. Man kann in Selzthal nicht einsteigen, man kann in Selzthal nicht aussteigen, man kann in Selzthal nur umsteigen…"
Hans Weigel widmete in seinem ironischen Reiseführer "O du mein Österreich" gar nicht so wenige Absätze dem Bahnhof Selzthal – vielleicht auch der Entstehungszeit seines "Versuchs des Fragments einer Improvisation" geschuldet, nämlich der unmittelbaren Nachkriegszeit, in der Reisen noch größtenteils mit der Eisenbahn durchgeführt wurden. In einem irrte Hans Weigel, in Selzthal konnte und kann man selbstverständlich ein- und aussteigen (was auch für diese Wanderung von großem Vorteil ist 😉), auch wenn der Ausgang im sowie der Zugang zum Bahnhof vielleicht auf den ersten Blick nicht gleich zu finden ist.
Ortschaft und Bahnhof Selzthal sind in der Steiermark und in Österreich jedenfalls etwas Besonderes: Entstand doch die Ortschaft erst im Zusammenhang mit dem Bahnhof. Instruktive Informationen zu Selzthal gibt neben Hans Weigel natürlich Wikipedia:
Bahnhof Selzthal
Anreise
ServiceCenter der Verbund Linie
Graz, Jakoministraße 1. Alle Informationen zu Bus, Bahn, Bim; Auskünfte, Beratung, Buchungen, Fahrkartenverkauf
+43 50 678910
Anreise
mit Zügen bis Rottenmann
BusBahnBim (Routenplaner)